Aktuelles

Die Steuerreform 2015/2016

Die lang angekündigte Steuerreform wurde mittlerweile durchgeführt und ist vom Parlament beschlossen worden. Für Sie als Arzt wird sie ab 2016 wichtige Änderungen bringen.

 

Was ändert sich bei der Einkommensteuer?

Änderung der Tarifstufen

Künftig wird es statt drei sechs Tarifstufen geben. Der Eingangssteuersatz sinkt von 36,5% auf 25%. Dafür wird ein Spitzensteuersatz von 55% eingeführt, der als „Solidarabgabe“ zunächst auf fünf Jahre (bis 2020) befristet gelten soll.

Bruttoeinkommen

bis 2015

ab 2016

bis € 11.000

0%

0%

€ 11.000 bis € 18.000

36,5 %

25%

€ 18.000 bis € 31.000

36,5%

35%

€ 31.000 bis € 60.000

43,2%

42%

€ 60.000 bis € 90.000

50%

48%

€ 90.000 bis € 1 Million

50%

50%

über € 1 Million

50%

55%

Die Änderung gilt ab dem Veranlagungsjahr 2016. Auswirkungen ergeben sich daraus für angestellte Ärzte und Einzelunternehmer (Allgemeinmediziner, Fachärzte), aber auch auf Personengesellschaften (Ärzte OGs).

Absetzbeträge

Der Arbeitnehmerabsetzbetrag wird in den Verkehrsabsetzbetrag integriert und auf € 400 pro Jahr erhöht. Bei einem Anspruch auf ein Pendlerpauschale erhöht sich der Verkehrsabsetzbetrag auf € 690, sofern das Einkommen € 12.200 pro Jahr nicht übersteigt.

Kinderfreibetrag

Der Kinderfreibetrag wird auf € 440 pro Jahr erhöht. Wird er von beiden Elternteilen in Anspruch genommen, beträgt er € 300 pro Elternteil.

Sonderausgaben

Der Topf-Sonderausgabenabzug wird abgeschafft. Betroffen sind hier Beiträge zur freiwilligen Kranken-, Unfall-, Pensions- und Lebensversicherung sowie Ausgaben zur Wohnraumschaffung und –sanierung. Zahlungen für bestehende Verträge können noch in den nächsten fünf Jahren abgesetzt werden. Für Neuverträge gibt es keine Absetzmöglichkeit mehr.

Kapitalertragsteuer

Die Kapitalertragsteuer wird von 25% auf 27,5% erhöht. Davon ausgenommen sind Zinsen aus Geldeinlagen und sonstigen Forderungen bei Kreditinstituten (Sparbücher und Girokonten). Von der Steuererhöhung sind daher vor allem Dividenden und Kapitalgewinne betroffen.

Konteneinsicht

Ab 2016 ist die Einsichtnahme in bestehende Kontenverbindungen im Zuge einer abgabenbehördlichen Prüfung (z.B. Betriebsprüfung) möglich. Zur Gewährleistung eines effizienten Vollzugs werden zentrale Kontenregister eingeführt. Banken werden – vorerst befristet – zur Mitteilung höherer Kapitalabflüsse (z.B. bei Barbehebungen oder bei Verschiebungen ins Ausland) verpflichtet werden.

Verlustvortrag

Verluste von Einnahmen-/Ausgabenrechnern können zeitlich unbegrenzt vorgetragen werden.

Mitarbeiterrabatte

Rabatte bis 20% sind steuerfrei (Freigrenze). Bei Überschreiten dieser Freigrenze sind Rabatte aber erst dann steuerpflichtig, wenn sie den Freibetrag von € 1.000 jährlich übersteigen.

Arbeitnehmerveranlagung

Ab 2016 erfolgt die Arbeitnehmerveranlagung automatisch (antragslos), wenn bis 30. Juni des Folgejahres keine Abgabenerklärung eingereicht wurde.

 

Was ändert sich bei Gebäuden?

Immobilienertragsteuer

Gewinne aus Immobiliengeschäften werden nunmehr mit 30% besteuert. Steuerfrei bleibt weiterhin die Veräußerung von Eigenheimen und Eigentumswohnungen, wenn es sich dabei um den Hauptwohnsitz des Steuerpflichtigen handelt. Der Inflationsabschlag entfällt.

Verluste aus Grundstücksveräußerungen können nunmehr zu 60% mit Überschüssen aus Vermietung und Verpachtung ausgeglichen werden.

Grunderwerbsteuer

Die Grunderwerbsteuer bemisst sich ab 2016 auch bei Übertragungen innerhalb des Familienkreises nach dem Verkehrswert. Unterschieden wird nur mehr zwischen entgeltlichem und unentgeltlichem Erwerb.

Für unentgeltliche Erwerbe gilt folgender Stufentarif:

Verkehrswert

Steuersatz

bis € 250.000

0,5%

von € 250.000 bis € 400.000

2,0%

über € 400.000

3,5%

 

Der Freibetrag für unentgeltliche Übertragungen von Immobilien des Betriebsvermögens wird auf € 900.000 erhöht. Für den darüber hinausgehenden Wert gilt der 0,5%ige Steuersatz.

Absetzung für Abnutzung

Für Gebäude im Betriebsvermögen gilt ab 2016 ein einheitlicher Abschreibungssatz von 2,5%. Bei Gebäuden, die für Wohnzwecke vermietet werden, beträgt der AfA-Satz 1,5%.

Instandhaltung und Instandsetzung

Der Zeitraum für die Absetzung von Instandsetzungs- und Instandhaltungsaufwendungen werden von 10 auf 15 Jahre verlängert.

 

Registrierkassenpflicht auch für Ärzte?

Vor allem im Bereich der Ärzte kommt es in der Praxis häufig zu Barzahlungen durch die Patienten (etwa bei Wahlärzten mit überwiegenden Barumsätzen). Betriebe müssen nunmehr ab einem Nettoumsatz von € 15.000 pro Jahr, sofern sie mindestens € 7.500 bar erwirtschaften, ihre Bareinnahmen über Registrierkassen erfassen (Zum Barumsatz gehört auch die Zahlung mittels Bankomat- oder Kreditkarte oder Gutscheinen). Diese sollen mit einer digitalen Signatur gegen Manipulation geschützt sein. Zudem muss verpflichtend für jeden Geschäftsfall eine Rechnung ausgestellt werden. Die „Kalte-Hände-Regelung“ (vereinfachte Ermittlung von Bareingängen und Barausgängen bei Vorliegen bestimmter Voraussetzungen) bleibt aufrecht, wird allerdings auf einen Nettoumsatz von maximal € 30.000 beschränkt (z.B. Maronibrater, Eis- oder Christbaumverkäufer). Mobile Gruppen, die nicht unter die „Kalte-Hände-Regelung“ fallen, wie etwa Hebammen oder manche Tierärzte, können ihre Umsätze mittels händischer Rechnung (Paragon) aufzeichnen und im Nachhinein in der Praxis erfassen. Die Anschaffung einer Registrierkasse bis 31.12.2016 wird mit € 200 gefördert. Die Aufwendungen für eine solche Anschaffung können im selben Jahr abgesetzt werden.

Für Kunden gilt eine Pflicht zur Entgegennahme des Kassenzettels. Sie müssen diesen bis außerhalb der Geschäftsräumlichkeiten mitnehmen.